Die Lauten und die Leisen: Wer wird gehört?
Hauke und Marc über Extroversion, stille Stärke und warum Lautsein nicht immer echt ist
An der Musicalschule Ahrensburg nahe Hamburg beobachten Gründer Hauke Wendt und Co-Moderator Marc Brendemühl ein spannendes Phänomen: Eltern sorgen sich, ihre stillen Kinder könnten auf der Bühne nicht bestehen — doch genau das Gegenteil trifft oft zu. In dieser Episode diskutieren sie provokant, ob wirklich die Lauten gehört werden und die Leisen übersehen. Sie enthüllen, warum viele Theater-Profis im Privaten viel leiser sind als gedacht, wie Lautsein manchmal nur eine Übersprunghandlung ist — und warum Empathie und Teamfähigkeit letztlich wichtiger sind als eine laute Stimme.
📑 Kapitel
- 00:00 Intro: Die provokante These
- 01:30 Was ist laut, was ist leise?
- 03:10 Hauke beschreibt sich selbst
- 06:00 Marc über seine Persona vs. sein Naturell
- 08:45 Übersprunghandlungen bei lauten Kindern
- 10:30 Statistik: Wie viele laute Schüler gibt es wirklich?
- 12:00 Wenn Lautsein stört: Konsequenzen und Gespräche
- 15:00 Familiäre Krisen und Verhaltensänderungen
- 17:30 Wachstum ohne Verlust von Persönlichkeit
- 19:30 Top-Profis sind leise: Das Kinski-Beispiel
- 22:00 Empathie und Antennen statt Lautsein
- 23:30 Aufruf zur Diskussion und Verabschiedung
📜 Transkript
Transkript
Die Lauten werden gehört, die Leisen oft übersehen. Das ist die These für die zweite Episode von "Auf die Bühne, fertig, los!" in Staffel 2. Marc Brendemühl ist wieder bei mir. Moin Marc, schön, dass du da bist. Hallo, ich bin mal ganz leise. Ja. Nein, also ich wollte das mal verdeutlichen, wie das ist, wenn ich immer leise grüße. Liebe Zuschauerinnen, liebe Liebe Zuschauer, liebe Zuhörer, liebe Zuhörer, ich bin happy, dass ich wieder dabei sein darf, auch in dieser Folge der neuen Staffel.
Und jetzt bin ich sehr gespannt, wie wir in das Thema reinkommen. Ich glaube, du hast dir da schon so einen Schlachtplan, so eine Roadmap im stillen Kämmerlein überlegt. Genau, das ist ja mein Naturell. Tatsächlich ist es so, diese Frage, diese provokante These könnte man jetzt ja sowohl im großen politischen Bild sehen wie auch im kleineren Rahmen einer Schule oder einer Theaterschule? Und darum geht es uns natürlich hier vor allem.
Ist es so, dass jemand, der laut ist, der vom Naturell extrovertiert ist, jemand, der sich vielleicht besonders deutlich und oft mitteilen möchte und muss? Ist er hier besser geeignet an einer Theaterschule oder vielleicht auch auf der Theaterbühne als jemand, der leise und introvertiert ist? Und gerade in vielen Gesprächen mit Eltern von Kindern, die sich für die Musicalschule interessieren, ist es so, dass wir das Gefühl haben, dass die sagen: Na ja, wenn mein Kind irgendwie schon viel macht und laut ist, dann wird das in der Regel weiterkommen oder sich hier wohler fühlen.
Und Kinder, die schüchtern sind, da sind die Eltern dann genauso zurückhaltend und fragen sich: Ja, ich weiß gar nicht, ob mein Kind so aus sich herauskommt. Das sehen wir dann ganz oft, dass das im Unterricht ganz schnell umschlägt, dass jemand, der erst mal laut ist, dass der gar nicht so laut sein muss und dass der vor allem auch im Klassenraum gar nicht so laut sein muss. Und jemand, der schüchtern ist, der findet vielleicht hier auch oft sein Umfeld, dass er sagt: Mensch, hier traue ich mich auch mal was zu sagen, hier habe ich auch was zu sagen.
Aber trotzdem ist das eine Erfahrung, die wir immer wieder machen. Aber nicht die ausschließliche. Und ich denke, da können wir drüber diskutieren. Da können wir auch versuchen, die Perspektive wieder zu öffnen und nicht nur auf die Musicalschule zu schauen, denn das wäre ja als Thema vielleicht auch ein bisschen eng gefasst. Deswegen diese etwas grundsätzlichere Frage: Ist das eigentlich immer so, dass die Lauten gehört werden und die Leisen nicht?
Ich glaube, vielleicht sollte man zunächst mal versuchen zu definieren, was ist eigentlich laut und was ist leise? Ich kann mir vorstellen, dass viele Menschen, die uns folgen, sehr überrascht sein werden, wenn sie uns persönlich gar nicht kennen, wie wir uns eigentlich selber einschätzen. Denn ich glaube, damit fängt es ja an, auch dass man weiß, bin ich denn eigentlich laut oder bin ich leise?
Hauke, wenn du dich beschreiben sollst, oder wo würdest du dich einsortieren? Also ich habe eine feste Vermutung, wo du es tun wirst. Sag mal. Also ich bin definitiv leise. Ich kann auch laut sein, wenn es sein muss. Aber das erfordert dann entweder schon Überwindung oder Provokation. Aber als Mensch bin ich eigentlich, obwohl ich nun ja auch Schlagzeuger bin und obwohl ich auch einem Unternehmen vorstehe und auch in anderen Positionen Verantwortung übernehme, eigentlich bin ich leise.
Ich glaube, dass das vielleicht manchmal auch überraschend ist für den einen oder anderen, weil, also ich sehe dich genauso. Wir kennen uns jetzt aber auch schon wirklich sehr, sehr lange und natürlich beeindruckt es mich, wenn ich zum Beispiel also dir jetzt hier im Podcast gegenüber sitze und wir sprechen da ja, da sind wir ja jetzt nicht unbedingt gleich, außer ich jetzt bei der Begrüßung vorhin.
ZwinkerSmiley. Ja, lol. Warte, 6/7. Das darf ich nicht machen. Nee, ich eigentlich auch nicht. Da schämen die sich für. Wie neulich in der Öffentlichkeit gemacht, war Benny gleich peinlich. Also jedenfalls glaube ich, dass viele Menschen, die dich gar nicht so hautnah kennen, aber so erleben bei Veranstaltungen und so weiter, die haben wahrscheinlich eher den Eindruck, dass du laut bist, weil du sehr professionell agierst und Ich bewundere dich ja auch für deine Reden, die du aus dem Stegreif hältst.
Habe ich dir neulich gesagt. Ja, da habe ich mich sehr drüber gefreut. Ja, weil das auch etwas ist, was ich mir anmaße zu beurteilen, weil ich das selber glaube ich auch ganz gut kann. Aber da habe ich festgestellt, das kannst du doch ein bisschen besser als ich. Jetzt übe ich schon immer zu Hause, dass ich mein Talent, wir hatten das Thema mal, dass ich da wieder rankomme. Nein, also ich glaube, dass das manche Menschen tatsächlich überrascht.
Wenn sie dich erleben in der Öffentlichkeit, da bist du jemand, der sehr eloquent ist, der auch problemlos die Stimme erheben kann, um zum Beispiel eine Rede ohne Mikrofon zu halten und so. Also du beherrschst das ABC quasi. Und ich konnte mich davon überzeugen, dass du also das sehr, sehr gut machst. Und deswegen glaube ich, dass manche Menschen bei dir wahrscheinlich auf die Idee kommen könnten, du seist laut.
Bei mir ist das, glaube ich, auch so, dass viele das denken würden, wenn sie mich kennenlernen, weil ich ja auch singe, weil ich als Tennistrainer zum Beispiel auf dem Platz stehe und laut Anweisungen gebe oder früher beim Fußball das gemacht habe, weil ich unterrichtet habe und das durchaus immer mit einer gewissen Stimme gemacht habe. Aber ich bin doch sehr leise und ich sage auch mal, also das gehört für mich dann sogar ein bisschen zusammen.
Ich bin leise und ich bin schüchtern. So, und dann lachen gerne Leute, wenn ich das sage, und denken dann, ich würde da kokettieren oder so. Das mache ich nicht. Es hat auch eine Weile gedauert, dass ich das überhaupt sagen kann, weil das war jetzt nicht so, dass ich da so stolz drauf gewesen wäre. Aber es ist tatsächlich so, ich habe so eine gewisse Schüchtern-Zurückhaltung. Und wenn ich aber dann weiß, okay, jetzt hast du hier einen Podcast zu machen, jetzt sitze ich ja nur mit dir und den Kameras und Wir haben einen gewissen Abstand zu anderen Leuten, aber ich habe mir auch angewöhnt, wenn ich eine Rede halte oder einen Vortrag halte vor Menschen, die ich nicht kenne oder die ich kenne, dass ich das gut kann eigentlich und dass ich da kein Problem mit habe.
Aber in meinem Naturell bin ich leise. Und wenn wir jetzt hier eine Situation hätten, dass hier ein neuer Kurs zusammenkommt oder ein Kurs da ist und ich komme da rein und ich kenne da gar keinen und ich wäre jetzt ein neues Mitglied, dann würdest du sehr schnell merken, wie leise ich sein kann. Und das ist, glaube ich, genau ein wunderbarer Punkt, wo man ansetzen kann, weil ich glaube, das ist tatsächlich interessant.
Jetzt könnte man als Erstes sagen: Na ja, das ist halt irgendwie dein Naturell und dem steht deine Persona gegenüber. Du übernimmst eine bestimmte Rolle, egal ob das jetzt der Tennislehrer ist oder in einer Situation, wo du eine Rede halten sollst. Weil du weißt, wenn ich jetzt hier schüchtern und mich klein mache, rede, dann erreiche ich mein Ziel nicht. Ich glaube aber auch, dass es bei vielen Menschen dann zu so einer Übersprunghandlung kommt.
Ich glaube, dass viele Menschen, die zum Beispiel im Unterrichtsraum laut sind, eigentlich auch schüchtern sind und eigentlich auch gern leise sein möchten und mit einer Situation dann vielleicht überfordert sind, was auch immer der Hintergrund sein mag, dass es sich dann anders äußert. Und deswegen sind wir auch sehr, sehr vorsichtig geworden, solche Einschätzungen, mein Kind ist laut, mein Kind ist leise, zu übernehmen.
Und wir merken auch ganz oft, dass das, was uns von Eltern angekündigt wird und das, was wir im Studio erleben, nicht unbedingt so ganz zusammenpasst. Und das ist spannend. Und das ist natürlich auch so, dass das eine Theaterschule ist, dafür ein Raum, sich kennenzulernen und Und es geht ja auch darum, vielleicht mal eine andere Rolle einzunehmen. Also wenn ich leise bin, dann soll ein Schüler vielleicht auch ganz bewusst mal laut sein.
Und genauso geht es andersherum darum, jemand da, der sich laut präsentiert, der soll einfach mal sich in die Rolle eines Leisen versetzen. Das ist sicherlich ein ganz guter Raum dafür. Nur ich glaube, grundsätzlich ist es natürlich schon so, jemand, der laut ist, der erfordert oder erfordert erst mal Ein, ich brauche mehr Aufmerksamkeit und deswegen wird er, glaube ich, auch schneller gehört als jemand, der leise ist.
Ich glaube trotzdem, dass das zumindest in einem guten und gesunden Umfeld darauf geachtet wird, dass jemand, der leise ist, nicht übersehen wird, sondern da kann jemand tatsächlich vom Naturell leise sein. Da kann auch jemand vielleicht etwas langsamer sein, weil jemand erst mal seine Gedanken und Gefühle sortiert. Das heißt ja nicht, dass der weniger Recht hat. Wenn du dir die Zusammensetzung der Schule anguckst, also der Schülerschaft, was würdest du sagen, verhältnismäßig, wie viel Laute gibt es etwa?
Also das ist ja so eine fließende Grenze, denke ich mal. Aber wenn ich sie ins Verhältnis setze zu leisen, dann sind es weniger laute als leise Schülerinnen und Schüler hier. Und das ist eine Erkenntnis, die aber auch so ein bisschen reifen musste, weil wenn man als Dozent einen langen Tag vielleicht hinter sich hat und dann schaut, wen hatte ich da jetzt heute, in Erinnerung bleiben als Erstes die Lauten, weil die einfach mehr Energie erfordern von Dozentenseite.
Aber wenn man sich dann auch über einen längeren Zeitraum hinweg mal umschaut, Dann sind es doch wesentlich mehr leise Menschen als laute. Und ist es so, dass die Lauten manchmal eben auch extrem stören? Das ist zum einen natürlich eine sehr subjektive Wahrnehmung, aber das kann natürlich auch dazu führen, dass sich eine Klasse gestört fühlt. Na, ganz klar. Also wenn ich eine Gruppe habe und jemand ist immer laut und auch nicht konstruktiv laut, sondern nur laut, um entweder des Lautseins willen oder vielleicht sogar auch des Störens willen.
Dann ist das etwas, was wir im ersten Schritt versuchen einzugrenzen. Wo kommt das her? Was können wir dagegen machen? Wir nehmen jemanden zur Seite und sprechen mit ihm. Wir sprechen vielleicht auch mit den Eltern, wenn das ein Kind ist, und sagen: Pass mal auf, da gibt es hier was. Ganz oft stellt sich dann raus, dass es vielleicht im familiären Umfeld gerade eine Situation gibt, die dazu führt, dass gerade ein Ventil benötigt wird.
Das hilft uns dann natürlich sehr viel weiter, damit umgehen zu können. Aber manchmal ist es auch so, dass wir einfach sagen müssen: Okay, das ist jetzt so störend und das ist etwas, was wir trotz Weiterbildung und intensiver Auseinandersetzung auch mit modernen Techniken damit umzugehen, nicht im Rahmen des Unterrichts behandeln können. Und dann müssen wir irgendwann sagen, bevor die ganze Klasse gestört wird, bevor die nicht zu ihrem Recht kommen, dann müssen wir im schlimmsten Fall dafür sorgen, dass dieser Störenfried nicht mehr in diese Klasse kommen kann.
Hat es das schon gegeben? Ja, das, da tun wir uns natürlich super schwer mit. Wir haben schon den Anspruch, dass wir sagen, wir möchten, soweit es geht, ein Ort für jeden hier sein. Und wir sind da auch schon, glaube ich, wesentlich weiter gegangen, als wir es hätten tun müssen. Aber das ist dann auch, glaube ich, so ein bisschen die Berufsehre, dass man es dann versucht. Und gerade wenn wir es mit jungen Menschen zu tun haben, dann möchte man denen natürlich auch umso mehr eine zweite und auch eine dritte und vielleicht auch noch eine vierte Chance geben.
Aber wir waren da schon an Punkten, wo wir dann im Team entschieden haben, hier kann es mit einem Schüler leider nicht weitergehen. Dann guckt man und vielleicht ändert sich eine Situation, dass man sagt: Komm in einem Jahr wieder, komm in 2 Jahren wieder. Vielleicht legt sich dann etwas oder vielleicht ändert sich auch dann die Situation für einen Menschen. Also wir haben hier niemandem Hausverbot erteilt in dem Sinne, komm nie wieder.
Aber wir haben schon auch mal feststellen müssen, hier geht es jetzt so nicht weiter. Und habt ihr da eine Einsichtigkeit erlebt? Ja, das hat mich so ein bisschen überrascht, weil wir, glaube ich, in allen Fällen das gut begründen konnten und weil letztendlich in allen Fällen auch im Kern erkannt wurde, das ist ein Problem, was jetzt nicht MSA-spezifisch ist, sondern da liegt irgendwas zugrunde.
In aller Regel waren das entweder Krankheiten, die so tief gehen, dass die nicht in der Musicalschule irgendwie behoben werden könnten oder dass wir da dem gerecht werden konnten. Aber in den allermeisten Fällen sind es halt persönliche, familiäre Situationen gewesen, wo man gesagt hat, das können wir alles im Moment so verstehen. Aber da müssen wir jetzt eine andere Lösung finden. Und ja, dann gab es diese Einsicht.
Enttäuschung, ganz klar, aber Einsicht. Okay, das ist natürlich wichtig. Wenn es die Einsicht gibt, dann besteht ja immer auch die Hoffnung, dass sich noch mal was ändert. Habt ihr auch schon mal einen Fall gehabt, jemand ist also so rausgegangen und ist aber später wiedergekommen und alles war toll? Ja, das gab es tatsächlich auch. Das funktioniert natürlich gerade in einem familiären Umfeld.
Was eigentlich gut funktioniert, wo es dann eine Krise gegeben hat. Also in aller Regel ist das halt etwas, wo es eine Trennungsphase der Eltern gibt oder wo es eine Krise in der Beziehung der Eltern gibt, die sich dann auf die Kinder widerspiegelt. Und wenn dann eine Trennung vollzogen ist oder wenn sich diese Situation positiv gelöst hat, dann merken wir das den Kindern schon sehr direkt an. Auch in Fällen, wo wir jetzt nicht diesen extremen Weg gehen mussten.
Aber wir versuchen schon, nah genug an den Schülern dranzusein, dass wir, wenn jemand auffällig wird, versuchen, früh das Gespräch mit den Eltern zu suchen, weil man dann auch Dinge natürlich ganz anders einschätzen kann. Spätestens wenn die Pubertät dazu kommt, gibt es noch ganz andere Baustellen und dann können wir leichter einordnen, wo geht die Reise hin und wie können wir einen Menschen unterstützen.
Ich glaube, das passt ja insgesamt ganz gut auch in euer Präventionskonzept eigentlich rein. Dieses proaktiv am Schüler dran sein und sein Leben eben auch nicht nur einfach zu sagen: Ja, ist schön, du lebst dein Leben, aber es interessiert mich nicht. Sondern zu sagen: Ja, es interessiert mich und es ist gut aufgehoben hier. Ja, es geht hier nicht darum, irgendwie was zu konstruieren, um irgendwann Grund zu haben zu sagen, also du passt hier nicht her, sondern eben es geht ja darum, Akzeptanz immer abzubilden, proaktiv reagieren zu können, wenn Krisen kommen und so.
Das finde ich eigentlich dann auch ein starkes Auftreten und ich glaube auch, dass letztendlich das von Elternseite gutiert wird, wenn man klar ist und gerecht. Und das kann ich mir also gut vorstellen, dass das tatsächlich immer ganz gut ankommt. Und schön, wenn es denn so ist, dass jemand auch schon mal wiedergekommen ist. Also ja, letztendlich ist es so, dass wir das ja auch aus einer Situation heraus machen, dass wir im Unterricht schon auch mit Schülern so eng zusammenarbeiten und versuchen, auf einer emotionalen Ebene mit denen zu arbeiten, dass Wenn es da auf einmal zu Problemen kommt, zu Herausforderungen, die es vorher nicht gab, dass wir dem auf den Grund gehen müssen.
Das hat jetzt nicht nur damit zu tun, dass wir uns als Gutmenschen sehen oder dass wir versuchen, in irgendeiner Form übergriffig auf das Privatleben zu sein, sondern wir stellen, glaube ich, einfach aufgrund der Art der Arbeit, die wir hier mit den Schülern durchführen, einfach relativ schnell fest: Moment, da ist irgendwas nicht in Ordnung. Und dann hilft es einfach, ein genaueres Bild zu haben.
Wo kommt das Ganze jetzt her? Ja, das ist, ich glaube, das funktioniert halt einfach gut. Ja, so, und ihr wärt nicht so erfolgreich, auch was die Anzahl an Schülern angeht, wenn das eben nicht so wäre. Das kann man, glaube ich, immer sehen. Also ihr seid ja keine verpflichtende Schule, Schule, sondern ihr seid ja eine private Einrichtung der privaten Freude, könnte man sagen. Auch das, ja. Und des persönlichen Hobbys.
Und ihr habt eben sehr viele Schüler und das wäre nicht so, wenn das anders wäre. Genau. Und uns wurde schon mal irgendwie auch nachgesagt: Ja, und ihr seid jetzt so gewachsen und dadurch ist das gefühlt gar nicht mehr so persönlich. Da würde ich sagen, also das Das ist halt totaler Blödsinn, weil jeder Schüler hat mindestens die gleiche Wichtigkeit wie am Anfang, als es, ich sag jetzt mal, eine Handvoll waren.
Das lässt sich für uns gar nicht machen. Das ist nicht nur, weil das jetzt auch gerade Jackys Persönlichkeit entspricht, sondern das ist einfach aufgrund der Art von Arbeit, wie wir sie hier durchführen. Das könnten wir nicht so gut leisten und das könnten wir auch nicht so gut zusammen mit Schülern machen, wenn wir sagen würden: Ne, pass mal auf, alles andere ist uns egal. Das hat nichts damit zu tun, dass wir sagen: Mensch, du hast gerade eine schwierige zeitige Zeit, du sollst hier mal komplett abschalten können.
Das ist eine ganz andere Geschichte. Aber es hilft uns halt schon zu verstehen, was dann Sache ist. Und wir bemühen uns, damit komme ich vielleicht dann auf die Ausgangsfrage zurück, wir bemühen uns natürlich auch, insbesondere denjenigen, die im Unterricht etwas leiser sind, den erforderlichen Raum zu geben. Und auch das funktioniert, glaube ich, ganz gut, weil es gibt einfach Menschen, die sind leise, weil sie desinteressiert sind und Das nimmt man dann auch zur Kenntnis, aber das bringt dann auch weder diese Person noch die Gruppe weiter.
Und wenn jemand tatsächlich leise ist, weil man nachdenkt, weil man vielleicht auch vom Naturell so ist oder weil man irgendwie noch in eine Situation reinkommen muss, dann erfordert das von unserer Seite aus eine gewisse Aufmerksamkeit. Und selbstverständlich bekommen auch solche Menschen besonders viel Gehör von uns geschenkt. Gibt es eigentlich Dozenten bei euch, bei denen du das sagen würdest, na, das ist aber eher ein Lauter?
Also lauter als ich gibt es nicht. Nein, nicht lauter als du, aber grundsätzlich nein, gibt es nicht. Und das ist doch eigentlich ganz spannend, weil das sind ja auch, ich sage mal, zum Großteil alles Profis gewesen, auch in dem Bereich. Dass man einfach sagen kann, also auch für die, die noch so ein bisschen zweifeln, so nach dem Motto, ja, mein Kind ist so extrovertiert, das muss auf die Bühne oder so, also dass man sich einfach mal vor Augen führt, also von den ganzen Dozenten zumindest ist hier keiner so richtig extrovertiert, egal wie die manchmal rüberkommen.
Wahrscheinlich, wenn man in die Top-Casts guckt im Musical-Bereich, dann wird man auch eher weniger Menschen finden, die so richtig extrovertiert sind im Privaten. Und das sollte einfach jedem zu denken geben, weil eins möchte ich noch sagen, also ich glaube auch, dass das Lautsein eben gar nicht immer echt ist. Ja, definitiv. Und insofern lohnt es sich vielleicht manchmal dann eher, beispielsweise dem eigenen Nachwuchs mal den Hinweis zu geben: Du, pass auf, du musst ja gar nicht so.
Also so doll muss es nicht. Es könnte auch ein bisschen weniger sein. Ja, also letztendlich hat das, glaube ich, gerade wenn du dir die Top-Liga anschaust, ganz viel damit zu tun. In diesem Bereich, in dem wir tätig sind, musst du ein hohes Maß an Teamfähigkeit haben. Du musst ein hohes Maß an Empathie haben. Das ist, glaube ich, für einen Schauspieler genau wie für jemanden, der vielleicht eine Abteilung leiten leisten soll in einem Theater oder in einem Filmprojekt, ist das eine absolute Grundvoraussetzung.
Und in dem Moment, wo ich laut bin, sind meine Antennen einfach ausgeschaltet oder zumindest sehr deutlich runtergefahren. Und dann kann ich nicht das leisten, was von mir erfordert wird. Es gibt sicherlich Situationen, also ich meine, wir haben wahrscheinlich alle mal irgendwie die berühmten Kinski-Ausbrüche gesehen oder von von Regisseuren oder so. Ich habe sie ja auch schon miterleben dürfen.
Das sind oftmals Stilmittel, um sich Gehör zu verschaffen. Aber dann, wenn es tatsächlich um die Sache geht, dann werden Menschen ganz schnell ganz leise. Ja, ja, das finde ich ein spannender Gedanke. Ich habe es tatsächlich mal ganz konkret mit einem sehr bekannten Musiktheaterregisseur erleben dürfen, der wirklich Ein Ausbruch, der Klaus Kinski gut, also würdig gewesen wäre, hatte und sich tatsächlich in einem, also der Schauspieler wäre stolz auf diesen Bruch gewesen, dreht sich um und spricht über total praktische Dinge weiter, wo ich denke, jemand, der sich wirklich das reingesteigert hätte, wie er das da vorgegeben hat, der wäre nicht in der Lage gewesen, sofort wieder auf eine Arbeitsebene zurückzukommen, wirklich im Bruchteil einer Sekunde.
Das ist vielleicht auch so ein bisschen schade, weil das so ein Bild dann irgendwie wieder kaputt macht. Aber das zeigt, dass das als Top-Profi kannst du dir das eigentlich kaum leisten. Du kannst mal frustriert sein, du kannst auch mal laut werden, weil etwas nicht klappt oder weil dir etwas vorenthalten wird, was du unbedingt meins zu brauchen. Aber im Endeffekt hat das, glaube ich, nichts damit zu tun, dass jemand laut ist, sondern sei Teil eines Teams.
Und das kannst du nur mit ausgefahrenen Antennen sein. Und dafür musst du das Grundrauschen gering halten. Also in meinen Augen war das jetzt sogar ein ganz hübsches Schlusswort. Ja, ich bin ganz überrascht. Ja, dann sollten wir das jetzt einfach auch so handhaben. Liebe Zuschauerinnen, liebe Zuschauer, liebe Zuhörerinnen, liebe Zuhörer, wir hoffen, dass dies eine für euch sehr ergiebige, inhaltlich sehr ergiebige und unterhaltsame Folge war.
Ihr habt bestimmt dazu eine eigene Meinung, eine Haltung, einen Standpunkt und Beispiele auch. Überall da, wo es euch gelungen ist, ganze Gruppen zu stören. Wir müssen ja nicht so weit zurückgehen, Hauke. Ich glaube, das war in der Schulzeit. Also gestern. Gewissermaßen. Ja, also bitte beteiligt euch daran. Wir können das nur noch mal sagen. Hauke, sag noch mal, du machst das immer so schön mit diesem, dass du so runter zeigst.
Ja, also es geht natürlich um die Kommentare auf YouTube und das Profil, auf dem wir in der Instagram-Welt unterwegs sind, das ist @musicalschule. Das sind, glaube ich, die einfachsten Möglichkeiten, mit uns die Diskussion anzustoßen. Dann bitte macht es und ich verabschiede mich jetzt von euch allen. Lieber Hauke, ich fahre wieder zurück in meine Welt und schau mal, ob ich das leise oder laut tue. Ich verabscheue mich. Ja, auf wiedertschüss! Tschüss!
