31 Jahre später: Jacqui zurück bei Disneys „Die Schöne und das Biest“ in Wien

Es gibt Premieren, die man als Zuschauer erlebt. Und es gibt Premieren, bei denen plötzlich ein ganzes Stück der eigenen Geschichte wieder vor einem steht.

Für Jacqui war die Premiere von Disneys „Die Schöne und das Biest“ in Wien so ein Abend.

Vor 31 Jahren stand sie selbst auf dieser Bühne. Sie gehörte zur ersten europäischen Produktion des Musicals und war damit von Anfang an Teil seiner europäischen Geschichte.

Seitdem hat sich ihr beruflicher Weg weit über Wien hinaus entwickelt. Nach ihrer Zeit in Österreich arbeitete sie im Londoner West End und in Stuttgart, ging mit der Produktion auf Tour durch Großbritannien und übernahm später als Associate Director & Choreographer selbst kreative Verantwortung für internationale Produktionen.

In dieser Funktion war sie Teil des kreativen Leitungsteams und sorgte dafür, dass die Inszenierung auch mit neuen Besetzungen und an unterschiedlichen internationalen Spielorten ihre künstlerische Handschrift behielt. Sie arbeitete mit immer neuen Ensembles, passte die Produktion an unterschiedliche Bedingungen an und war für die Umsetzung von Regie und Choreografie verantwortlich.

Jacqui war die einzige Nicht-US-Amerikanerin, die diese Position in der internationalen Produktionsgeschichte von „Die Schöne und das Biest“ übernommen hat.

Ihre Arbeit führte sie mit der Produktion auf Bühnen rund um die Welt.

Und nun saß sie wieder im Zuschauerraum.

Ein Wiedersehen mit Matt West

Zu diesem Abend gehörte noch eine zweite Geschichte.

Bei der Premiere traf Jacqui Matt West wieder, den Originalchoreografen von „Die Schöne und das Biest“. West hatte die Choreografie der ursprünglichen Produktion geschaffen und führte nun bei der neuen Wiener Inszenierung selbst Regie.

Die beiden verbindet also weit mehr als ein gemeinsamer Abend im Theater. Sie verbindet eine Produktion, die einen wichtigen Teil von Jacquis beruflichem Weg geprägt hat.

Es gab viel zu erzählen: über die neue Inszenierung, über die Produktion, über die Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte und natürlich über die gemeinsame Zeit.

Auch zwei Biester begegneten sich an diesem Abend: Ethan Freeman, das Biest der Wiener Erstaufführung von 1995, und Dominik Hees, das Biest von 2026.

Für Jacqui war der Abend aber keineswegs nur ein Wiedersehen mit der Vergangenheit.

Im Gegenteil.

Sie war ausgesprochen neugierig auf die neue Inszenierung.

Wenn eine Künstlerin zuschaut

Jacqui schaut sich eine Musicalproduktion nicht einfach nur an.

Sie beobachtet.

Wie werden die Figuren geführt? Was erzählt die Choreografie zusätzlich zur Musik? Wie funktionieren die Übergänge? Welche Entscheidungen wurden bei der Personenführung getroffen? Wie greifen Schauspiel, Musik, Bewegung, Licht und Bühnenbild ineinander?

Und natürlich interessiert sie auch, wie eine Geschichte, die sie selbst so lange begleitet hat, heute erzählt wird.

Jacqui kennt „Die Schöne und das Biest“ aus sehr unterschiedlichen Perspektiven. Sie hat selbst darin gespielt, die Produktion später als Associate Director & Choreographer begleitet und erlebt, wie sie mit unterschiedlichen Teams und unter unterschiedlichen Bedingungen auf die Bühne gebracht wurde.

Jetzt konnte sie erleben, wie eine neue Generation von Künstlerinnen und Künstlern diese Geschichte erzählt.

Genau diese Neugier zieht sich vielleicht durch ihre gesamte Laufbahn.

Wer über Jahrzehnte in unterschiedlichen Produktionen, Ländern und kreativen Teams arbeitet, entwickelt einen besonderen Blick für die vielen Entscheidungen, aus denen am Ende ein Bühnenabend entsteht.

Und man bleibt neugierig.

Was dieser Abend mit der MSA zu tun hat

Für uns an der Musicalschule Ahrensburg ist dieser Abend natürlich auch deshalb besonders, weil Jacqui heute an einem ganz anderen Punkt ihrer Geschichte steht.

Sie ist die künstlerische und pädagogische Leiterin der MSA und führt die Schule gemeinsam mit Hauke. Gleichzeitig arbeiten beide mit der Musical Creations Entertainment GmbH seit vielen Jahren professionell im Musical- und Showbereich.

Was Jacqui heute in die MSA einbringt, kommt deshalb nicht allein aus einer Ausbildung oder aus dem Unterricht.

Es kommt aus einem Berufsleben, das sie selbst auf die Bühne geführt hat – zunächst als Darstellerin, später in kreativer Verantwortung für internationale Produktionen.

Sie kennt die Perspektive einer Schauspielerin und Sängerin. Sie kennt Proben, Vorstellungen und Tourneen. Sie kennt die Arbeit mit internationalen Teams und die Verantwortung, eine künstlerische Idee mit immer neuen Menschen und unter immer neuen Bedingungen umzusetzen.

Diese Erfahrung prägt natürlich auch die Arbeit an der MSA.

Nicht als Distanz zwischen „Profi“ und Schülerinnen und Schülern, sondern als Erfahrung, die weitergegeben werden kann.

An Kinder, die ihre ersten Schritte auf einer Bühne machen. An Jugendliche, die herausfinden wollen, was in ihnen steckt. An Erwachsene, die sich künstlerisch weiterentwickeln möchten. Und an diejenigen, die irgendwann selbst professionell auf der Bühne arbeiten wollen.

Dass die künstlerische Leitung einer Musicalschule auf eine solche internationale Bühnen- und Produktionsgeschichte zurückblicken kann, ist dabei alles andere als selbstverständlich.

Man muss das gar nicht groß erklären.

Man muss nur wissen, woher die Erfahrung kommt.

Ein Kreis, der sich schließt

So war die Premiere am Ende mehr als ein schöner Abend im Theater.

Für Jacqui trafen mehrere Zeiten ihres Lebens aufeinander: die junge Darstellerin, die hier selbst auf der Bühne stand; die internationale kreative Arbeit, die später folgte; und die heutige Jacqui, die inzwischen selbst Verantwortung für Künstlerinnen und Künstler und deren Entwicklung trägt.

Und dann saß sie da und schaute sich eine neue Inszenierung von „Die Schöne und das Biest“ an.

Nicht aus Nostalgie.

Sondern mit echter Neugier.

Vielleicht ist genau das eine der schönsten Eigenschaften eines künstlerischen Lebens: Man kann eine Geschichte selbst auf der Bühne erzählen, sie später von der kreativen Seite mitgestalten und irgendwann wieder im Publikum sitzen – und immer noch gespannt sein, was andere daraus machen.

Für Jacqui war dieser Abend deshalb nicht einfach nur eine Premiere.

Es war ein Wiedersehen mit einem Musical, mit einem Kollegen, mit einem Ort – und mit einem Stück der eigenen Geschichte.

Hauke Wendt, Geschäftsführer der Musicalscheule Ahrensburg

Autoreninfo

Hauke Wendt

Mitgründer, Geschäftsführung, Musikalische Leitung

Hauke Wendt ist Geschäftsführer der Musicalschule Ahrensburg sowie international tätiger Dirigent und Musikalischer Leiter.

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