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S01E10 📅

Den eigenen Weg finden: Warum Erfolg nicht die erste Frage ist

Hauke Wendt über Leidenschaft statt Karrieresicherheit, echte Mentoren und das MSA on Track Programm

Podcast Auf die Bühne, fertig, los! – Den eigenen Weg finden: Warum Erfolg nicht die erste Frage ist
⏱️ 10 Minuten 32 Sekunden

In dieser Episode spricht Hauke Wendt über die wichtigste Entscheidung, die angehende Darsteller treffen: nicht die Frage nach Erfolg, sondern ob man überhaupt anfangen will herauszufinden, wohin der Weg führen könnte. Die Musicalschule Ahrensburg hat beobachtet, dass viele junge Menschen genau diese Erlaubnis brauchen – und damit das MSA On Track Programm ins Leben gerufen. Hauke erzählt die Geschichte einer Schülerin, die zeigte, wie eine echte Entscheidung andere inspirieren kann, und erklärt, warum intensive Mentoring für alle zugänglich sein sollte, nicht nur für die mit dem größten Budget.

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📑 Kapitel

  1. 00:00 Intro: Die falsche Voraussetzung
  2. 00:19 Der Moment, in dem echte Leidenschaft sichtbar wird
  3. 01:39 Geradlinige Karrieren sind die Ausnahme
  4. 03:34 Nicht Erfolg, sondern Richtung entscheiden
  5. 04:43 Der Konfuzius-Mythos und ehrliche Selbsteinschätzung
  6. 05:34 Die Geschichte der Schülerin, die alles veränderte
  7. 06:20 Wie eine Entscheidung andere befreit
  8. 07:01 MSA on Track: Mentoring für alle Finanzierungen
  9. 08:08 Kein Eliteprogramm – sondern echte Unterstützung
  10. 09:12 Die universelle Frage jeder Karriere
  11. 10:00 Die wichtigste Entscheidung: Anfangen herauszufinden

📜 Transkript

Transkript 1.608 words

Niemand, der später erfolgreich geworden ist, wusste vorher, dass es klappen würde. Und trotzdem tun die meisten von uns so, als wäre genau das die Voraussetzung, um überhaupt erst anzufangen. Willkommen zurück bei "Auf die Bühne, fertig, los!" Ich bin Hauke Wendt und ich kenne diesen einen Moment aus meiner Arbeit inzwischen ziemlich genau. Jemand bleibt nach der Stunde noch etwas länger da, fragt etwas nach, was gar nicht drankam, übt zu Hause Dinge, die niemand verlangt hat, oder kommt beim nächsten Mal mit Fragen wieder, über die ich selbst erstmal nachdenken muss.

Es ist selten der Moment, in dem jemand technisch schon besonders sauber ist. Es ist eher eine Art Unruhe, ein Sog, den man von außen sieht, bevor die Person selbst überhaupt weiß, was da eigentlich gerade passiert. Es gibt sie natürlich auch, die Gegenbeispiele, das will ich nicht verschweigen: Menschen, bei denen der Weg von Anfang an ziemlich geradlinig verlief, bei denen früh klar war, wohin die Reise gehen soll, und die dann auch genau dort angekommen sind.

Solche Geschichten gibt es wirklich, und sie sind manchmal beeindruckend zu beobachten. Vielleicht ist das sogar einer der Gründe, warum uns diese Geschichten besonders gut einprägsam sind. Weil sie so schön einfach zu erzählen sind. Viel einfacher jedenfalls als die meisten anderen. Aber sie sind eben die Ausnahme und nicht die Regel. Bei den allermeisten Menschen, die ich über die Jahre begleitet habe, sah der Weg anders aus.

Unruhiger, mit Umwegen, mit Phasen, in denen es über Monate hinweg überhaupt nicht vorwärts ging. Über genau dieses Auf und Ab von Entwicklungen hatte ich in der letzten Folge schon ausführlich gesprochen. Das setze ich heute einfach mal voraus. Und wer sie noch nicht gehört hat, der kann das natürlich gern nachholen. Was mich seitdem aber weiter beschäftigt hat, ist eine andere Frage. In der Folge davor ging es darum, dass man sich nicht ewig im Vielleicht einrichten kann.

Dass irgendwann aus einem Gedanken eine Entscheidung werden muss. Und heute möchte ich noch einen Schritt davor ansetzen. Denn bevor ich mich überhaupt entscheiden kann, stellt sich ja erst eine andere Frage: Wofür lohnt es sich eigentlich, etwas ernsthaft zu versuchen? Ich glaube nämlich gar nicht, dass man sich für Erfolg entscheiden kann. Das würde eine Geradlinigkeit suggerieren, die es in den allermeisten Fällen einfach nicht gibt.

Ich kann immer nur einen Schritt zur Zeit machen und eine grobe Richtung einschlagen. Den genauen Weg mit einem ganz konkreten Ziel am Ende kann ich gar nicht voraussehen. Man entscheidet sich also nicht für den Erfolg, man entscheidet sich eigentlich erstmal dafür, herauszufinden, ob ein Weg überhaupt der richtige für einen sein könnte. Und ich glaube, das ist heute schwieriger geworden als früher.

Es gibt diesen Satz, der oft Konfuzius zugeschrieben wird: Wähle einen Job, den du liebst, und du wirst nie wieder in deinem Leben arbeiten müssen. So oder so ähnlich. Ich finde den Satz zu einfach, ehrlich gesagt. So einfach ist es nie. Aber der Kern stimmt. Die Vorstellung, dass ich mit 18 eine Entscheidung treffe und dann meine Karriere bis ins Rentenalter durchplane, funktioniert nur noch in ganz wenigen Fällen.

Ich bin mir auch gar nicht sicher, ob das überhaupt erstrebenswert ist. Das muss am Ende jeder für sich selbst beurteilen. Aber ich glaube schon, dass man darauf hören kann und sollte, was einen anspricht, was einem leicht fällt, wo eine echte Neigung liegt. Und je besser ich mich selbst einschätzen kann, was gerade in jungen Jahren besonders schwer ist, umso genauer kann ich entscheiden, wohin mich die Reise eigentlich führen soll.

Das fällt nicht jedem leicht. Und es fällt vor allem nicht jedem leicht, sich dabei von erfahreneren Menschen helfen zu lassen. Von Eltern, von Lehrerinnen und Lehrern, von Mentoren, die selbst schon einen ähnlichen Weg gegangen sind. Aber wer das kann, der hat definitiv die bessere Ausgangsposition. Ich möchte an dieser Stelle eine Geschichte erzählen. Nicht weil sie besonders spektakulär ist, sondern weil sie für mich im Rückblick der eigentliche Auslöser für vieles war, worüber ich heute spreche.

Wir hatten vor einigen Jahren eine Schülerin hier an der Musicalschule, die mit ihren Eltern zu uns kam, um ganz offen eine Frage zu klären: Ist es überhaupt realistisch, dass sie eine Karriere als professionelle Darstellerin anstreben kann? Ich erinnere mich noch, wie wir zu viert am Tisch saßen. Die Eltern sichtlich angespannt, die Tochter eigentlich ruhiger als alle anderen im Raum. Das war kein ganz lockeres Gespräch.

Es ging um Zeit, um Geld, um die Frage, was eigentlich passiert, wenn es am Ende nicht klappt, wenn man Jahre investiert und dann doch keinen Platz bekommt oder keine Rolle, keinen Anschluss. Solche Gespräche sind nie einfach. Man möchte als Elternteil natürlich, dass es gut ausgeht. Und man muss als Schule ehrlich sein, auch wenn ehrlich manchmal unbequem ist. Auch wenn man weiß, dass die Antwort das ganze weitere Familienleben verändern könnte.

Wir haben die Frage am Ende bejaht und sie hat sich danach reingekniet. Mit einer großen Konsequenz: frühes Aufstehen, spätes Üben, Wochenenden, die komplett draufgingen. Sie hat tatsächlich auf Anhieb einen Studienplatz an einer der besten deutschen Universitäten für Performing Arts bekommen und ist dort angetreten. Das Studium hat sie im Endeffekt zwar nicht zu Ende gemacht, das gehört ehrlicherweise dazu, und ich erzähle es bewusst mit, weil es eben keine glatte, Erfolgsgeschichte ist.

Es gibt keinen Moment am Ende, in dem alles aufging, so wie in einem Film. Aber was danach bei uns an der Schule passiert ist, war für mich das eigentlich Entscheidende. Auf einmal wurden andere Schülerinnen und Schüler hellhörig. Eine 14-Jährige, die bis dahin nie mehr als 2 Sätze am Stück mit uns gewechselt hatte, fragte plötzlich, ob sie mal ein Vorsingen üben könnte, das gar nicht anstand.

Ein älterer Schüler, der eigentlich schon fast fertig war bei uns, kam nochmal vorbei und wollte wissen, ob es für ihn zu spät sei. Manche kamen einfach mit derselben Frage, die ich vorher von den Eltern gehört hatte: Wie schätzt ihr das bei mir ein? Es war fast, als wäre irgendwo ein Damm gebrochen, als hätte eine einzelne Geschichte plötzlich vielen anderen die Erlaubnis gegeben, sich dieselbe Frage überhaupt erst zu stellen.

Und das war für uns der eigentliche Moment. Nicht die Frage nach der Finanzierung, die kam erst viel später, sondern das Gefühl, das wir plötzlich immer wieder hatten: Wir wissen eigentlich ziemlich genau, was jetzt nötig wäre, aber wir können es gerade noch nicht leisten. Immer wieder saßen Eltern und Schülerinnen und Schüler vor uns und mit im Grunde derselben Frage: „Ich glaube, ich möchte das ernsthaft versuchen, aber wie macht man das eigentlich?" Und wir mussten damals ziemlich oft ehrlich antworten: „So, wie wir uns eigentlich das vorstellen, können wir euch im Moment gar nicht helfen." Das hat uns lange nicht losgelassen, auch weil es schlicht eine Kostenfrage war.

Ein wirklich intensives Programm mit mehr Unterricht, mit echten Mentoren, Das kostet. Und wir wollten es nicht nur denen anbieten, die es sich ohne Weiteres leisten können. Deswegen haben wir jetzt, gestützt durch ein Stipendienmodell mit MSA on Track ein intensiveres Programm ins Leben gerufen. Mir ist dabei wichtig zu sagen: On Track ist für mich kein Eliteprogramm, auch wenn es von außen manchmal so wirken mag.

Für mich ist es eher eine Konsequenz aus dem, was wir über die Jahre beobachtet haben. Es geht nicht darum, dass irgendjemand aussortiert wird oder dass plötzlich jeder besser werden muss. Es geht darum, dass diejenigen, die ihre eigenen Grenzen wirklich ausloten wollen, dafür auch die Unterstützung bekommen, die es dafür eigentlich braucht: Mentoren, ehrliches Feedback, eine intensivere Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfungen und eine Garantie, ist das trotzdem nicht.

Wer On Track macht, bekommt dadurch nicht automatisch einen Studienplatz. Aber man findet entweder heraus, dass es vielleicht doch nicht der eigene Weg ist, oder man verbessert seine Chancen ganz erheblich. Beides ist am Ende etwas wert, finde ich, auch wenn nur eins von beiden nach außen wie ein Erfolg aussieht. Als ich selbst jünger war, habe ich mich gefragt, ob so eine zeitaufwändige und leidenschaftliche Berufsvorbereitung eigentlich nur etwas für Musiker und Sportler ist.

Ich habe irgendwann gemerkt: Das stimmt überhaupt nicht. Ob Medizin, Jura, ein Handwerk oder eben Performing Arts – im Kern begegnet fast jedem irgendwann dieselbe Frage: Bleibt das ein Interesse oder finde ich wirklich heraus, wie weit ich damit kommen könnte? Vielleicht hörst du diesen Podcast gerade und hast überhaupt nichts mit Musical am Hut. Aber vielleicht gibt es in deinem Leben trotzdem etwas, bei dem du dir diese Frage schon länger stellst.

Leiser vielleicht im Hintergrund, aber sie ist doch da. Ich glaube, die wichtigste Entscheidung ist gar nicht, wo du am Ende ankommst, sondern ob du überhaupt anfängst herauszufinden, wohin der Weg dich eigentlich führen könnte. Wenn dich das bei uns interessiert, findest du zu OnTrack alles Weitere in den Shownotes und auf unserer Webseite. Für heute danke ich zumindest dir erstmal fürs Zuhören. Bis zum nächsten Mal bei "Auf die Bühne, fertig, los!" Ciao!

❓ Häufige Fragen

Was ist MSA On Track genau?
MSA On Track ist das studienvorbereitende Intensivprogramm der Musicalschule Ahrensburg für Schüler, die ihre Grenzen wirklich ausloten wollen. Es bietet professionelle Mentoren, ehrliches Feedback, intensivere Vorbereitung auf Aufnahmeprüfungen – und wird durch ein Stipendienmodell finanziert, damit nicht nur wohlhabende Familien davon profitieren können.
Muss ich schon wissen, dass ich Darsteller werden will, um damit zu starten?
Nein, genau das ist der Punkt. Du musst nicht mit Sicherheit wissen, dass es klappt. Du brauchst aber das Interesse und die Bereitschaft, ernsthaft herauszufinden, ob dieser Weg der richtige für dich sein könnte. Manche werden dabei feststellen, dass es nicht ihr Weg ist – und auch das ist wertvoll.
Warum ist Mentoring von erfahreneren Menschen so wichtig?
Weil es schwer ist, sich selbst ehrlich einzuschätzen – vor allem in jungen Jahren. Mentoren, die selbst einen ähnlichen Weg gegangen sind, helfen dir, deine echten Neigungen und Grenzen zu erkennen. Das macht deine Entscheidungen deutlich präziser.
Was bedeutet es, wenn die Schülerin in der Geschichte ihr Studium nicht zu Ende gemacht hat?
Hauke betont bewusst, dass das keine Fehlgeschichte ist. Auch wenn sie das Studium abbrach, hatte sie trotzdem etwas unglaublich Wertvolles getan: Sie hat herausgefunden, wer sie ist und was sie will. Für andere Schüler wurde ihre Entscheidung, es zu versuchen, zum Katalysator.
Gilt das auch für andere Karrieren außerhalb von Musical?
Absolut. Egal ob Medizin, Jura oder Handwerk – fast jeder steht irgendwann vor der gleichen Frage: Ist das nur ein Interesse, oder kann ich damit wirklich weit kommen? Die Episode zeigt, dass das Prinzip universal ist.

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